Gestern war doch ein grauenhafter Börsentag oder? Eigentlich war am Ende des Tages alles rot (Indizes, Aktien, Fonds). Und das nur, weil China und die USA sich immer wieder gegenseitig beweisen wollen, wer am längeren Hebel sitzt. Wie jeder weiß, sind Spiele, bei denen es darum geht, wer am Längeren sitzt, selten produktiv und gesamtwirtschaftlich hilfreich. Gelegenheit also, Mr. Market mal den Spiegel vorzuhalten!

Mein letzter, abendlicher Blick auf den Börsenticker zeigte mir dann übrigens doch noch einen über 2%-igen Anstieg des Aktienkurses der Südzucker AG (XETRA). Wodurch der aber begründet war, kann ich nicht erklären. Vielleicht hat Mr. Market schon die Finanzzahlen für 2018 in die Hände bekommen, die eigentlich erst am Donnerstag veröffentlicht werden sollen. Vielleicht hab ich aber auch etwas anderes übersehen, ich war halt schon sehr müde gestern. Ich persönlich finde es übrigens grundsätzlich gut und wichtig, dass mich solche Börsentage eher müde machen, weil ich am nächsten Tag mit ausgeruhtem Blick auf die Situation blicken kann.

Börsenpsychologisch ebenfalls interessant (sprich: völlig schizophren) finde ich die Kursbewegungen der Wacker Neuson Aktie in den Monaten März bis Mai: Sonderdividende angekündigt (Kurs schießt von 19,50 Euro auf über 23 Euro), danach Kursabfall auf 21,50 Euro (“please put reason here”), danach Kursanstieg bis auf über 25 Euro (vermutlich durch die tollen Q1-Zahlen, aber wetten würde ich darauf nicht) und gestern der erneute Kursverfall auf unter 23 Euro. Genial!!

Ähnliches bei allen drei Sixt-Aktien. Die SE-Vorzüge sind in den letzten 6 Monaten von knapp 45 Euro auf etwa 65 Euro gestiegen (+44%), zwischendurch aber auch mehrmals wieder gehörig abgeschmiert (gestern über 4%). Die SE-Stämme sind in diesem Zeitraum von 65 Euro auf über 100 Euro geschossen (knapp +54%), aber ein linearer Anstieg, so wie es das Aktienrückkaufprogramm des Unternehmens hätte leisten können, war das nicht (gestern minus 6%); die Sixt-Leasing-Aktie lag im März noch bei knapp unter 14 Euro, kurz danach bei 10,50 Euro (-25%), um zügig wieder auf 13 Euro anzusteigen (+30%). Deine tagtäglichen Ausschläge der Kurse sind schlichtweg verrückt beeindruckend, Mr. Marky Market!

Kurzum: ich wünsche allen Investierten einen kühlen Kopf für das aktuelle und zukünftige Börsenfahrwasser. Niemand muss sich eigentlich durch Mr. Markets Episoden verrückt machen lassen. Gegen Bullshit auf makrowirtschaftlicher Ebene (siehe “Hebelvergleich” USA / China) kann kurzfristig eben keine Value-Analyse etwas ausrichten. Eine hilfreiche Methode zum Umgang mit solcherlei Unrat kann es sein, von Berichtstermin zu Berichtstermin der eigenen Unternehmen zu schlafen und den ganzen Börsen- und Nachrichtenmüll dazwischen vollständig zu ignorieren. Was auch immer ein jeder für nützlich halten mag: Viel Erfolg dabei!!