Bouvier investiert!

Value & Price

Glosse zu Hornbach

Nachdem ich im letzten Blog-Eintrag zur Quellsteuervermeidung meine EVN-Aktien verkauft habe, um danach dann direkt die von einer Gewinnwarnung 2020 gebeutelten HARTMANN-Aktien in mein Musterdepot zu legen, bin ich heute ein weiteres Mal von einem Luxusproblem “geplagt“. Gestern hat nämlich Hornbach per Ad-Hoc-Meldung verkündet, dass bei einem Umsatzanstieg im “mittleren bis hohen einstelligen” Prozentbereich für das Gesamtjahr 2019, das EBIT-Wachstum nicht mehr “nur bei um die 20%“, sondern eher im “unteren bis mittleren zweistelligen” Prozentbereich erwartet wird.

Die Spanne liegt also damit bei geschätzten 21% – 50% EBIT-Anstieg, was natürlich einen enormen Profitabilitätssprung bedeutet und logischerweise auch prompt mit einem Kursprung von über 7% der Holding-Aktie begrüßt wurde.

Das Luxusproblem

In meiner vorsichtigen Value-Analyse zu Hornbach kam ich zu dem Schluss, dass der innere Wert der Hornbach Aktie bei rund 80 Euro liegt. Im Zuge der anschließenden Werthaltigkeitsprüfung der Hornbach-Immobilien für Krisenzeiten, kam ich zu dem pessimistischen Schluss, dass der innere Wert er Hornbach-Holding-Aktie unter Berücksichtigung fallender Immobilienpreise noch bei etwa 58 Euro zu taxieren ist. Der aktuelle Aktienkurs beträgt rund 61 Euro.

Mein Einstiegskurs liegt bei 46,47 Euro. Im Juli 2019 erhielt ich 1,50 Euro Dividende je Aktie. Wenn ich nun zum aktuellen Kurs aussteige, dann habe ich mit meiner Hornbach-Aktienposition innerhalb von 7 Monaten knapp 35% Reingewinn erzielt.

Auf der anderen Seite ist es gut möglich, dass das Unternehmen im nächsten die Dividende erhöht. Bei 1,60 Euro je Aktie erhalte ich eine Dividendenrendite von 3,4%, bei 1,70 Euro je Aktie ein Rendite von 3,7% und so fort. Und was hindert Hornbach daran, die Profitabilität weiter zu steigern? Das Unternehmen scheint doch eine richtige Value-Perle und seine Immobilien ertragreich/werthaltig zu sein. Was also tun?

“Hilfe!”

Ich lege sehr viel Wert darauf, durch mein Investitionsverhalten im Allgemeinen als “Value-Investor” erkennbar zu sein. Als dieser strebe ich eine langfristige, verlässliche Rendite und Wertsteigerung an. Ich lege Wert auf “Partnerschaft dem Unternehmen”, ich prüfe und konsumiere, wo möglich, seine Produkte. Ein weiterer Aspekt des Value-Investors ist es aber auch, immer auch auf Sicherheit bedacht zu sein; Verlustrisiken müssen minimiert werden. Hier, bei Hornbach, stehe ich heute also vor der Frage: “Taube auf dem Dach (x Prozent Rendite in der Zukunft irgendwann?)” oder “Spatz in der Hand (35% Reingewinn jetzt)”.

Ich möchte diese Glosse nun mit einem offenen Ende versehen. Die Auflösung gibt es im nächsten Musterdepot-Update am Ende des Monats Dezember. Bezüglich meiner Entscheidung zu Hornbach könnte ich mir selbst sicherlich jede der beiden Handlungsoptionen schönreden, vielleicht sogar eine schöner als die andere, je nach meinem eigenen Bauchgefühl und Motivation.

Mich interessiert heute einmal direkt Ihre, ja Ihre/Deine, Meinung dazu, liebe Leserin, lieber Leser! Bin ich noch Value-Investor, wenn ich bevorzugt den Spatz in er Hand schlachte? Geht Spatz vor Taube, weil Spatz eben “sicherer” ist? Oder geht Taube vor Spatz, weil Eträge/Rendite eben erst am Ende “gezählt wird“? Wann ist überhaupt “Ende”?

Die Diskussion ist eröffnet. Auf geht’s!!

13 Kommentare

  1. Hallo Vincent Bouvier,

    eine interessante Aufforderung und ich gebe mal meine Meinung preis:
    Um eine Verkaufsentscheidung fällen zu können, solltest du 2 Fragen beantworten:
    – Ist deine Berechnung der 58€ noch korrekt oder ergibt sich hier ein höherer Wert? Du hast ja für die 58€ schon sehr viel Pessimismus eingerechnet, insbesondere auch was den Gewinn angeht. Je nachdem wie die Antwort auf diese Frage ausfällt benötigst du Frage 2 ggf. nicht mehr
    – Welche alternativen Investments hast du im Auge, die aus deiner Sicht mehr Renditepotential haben (stärker unterbewertet sind)?

    Hochachtungsvolle Grüße
    Malte

    • Hallo Malte,

      vielen Dank für deinen Beitrag zum Diskurs!

      Du hast wahrscheinlich recht. Eine Entscheidung über Verkauf oder nicht sollte nicht nach Gefühl oder nach einem vermeintlich Anspruch an das “Value-Investor”-Sein fällen, sondern einfach auf knallharten Fakten basieren. Ich gucke mir die “58 Euro” also nochmal an…

      Wenn ich mir “Alternativen zum Hornbach-Investement” ansehe, dann muss ich diese doch aber so rechnen, dass sie mir erstmal mindestens die “35% von Hornbach” bieten, bevor sie mir überhaupt einen Mehrwert bringen bzw. mit Hornbach “gleichziehen” oder? Wenn ja, dann ist das aus meiner Sicht unmöglich planbar. Die 35% waren ja eigentlich schon nicht planbar. Wie siehst du das?

      Viele Grüße

      V. Bouvier

      • Hallo Vincent/Bouvier (welche Anrede wünschst du dir eigentlich?),

        das mit dem Alternativinvestment sehe ich so:
        61€ aktueller Kurs
        58€ von dir errechneter innerer Wert

        Nachdem du den inneren Wert verifiziert hast erhälst du eine Antwort, ob du die Aktien aus deiner Sicht als Value-Investor verkaufen musst oder nicht (falls sie kleiner gleich 61€ sind).

        Falls der innere Wert nach deiner Neuberechnung steigt, sagen wir auf 65€, dann hast du aus meiner Sicht folgenden Vergleich anzustellen:
        Weiteres “Innerer-Wert-Kurspotential” der Aktie (65€-61€) = 4€ –> was bedeutet das für deine theoretische Rendite? Sie erhöht sich von 35% auf ca. 43%. Das Investment hätte also aktuell noch 8% Renditepotential.

        Die Frage ist jetzt, ob du andere Investmentideen hast, die mehr als 8% Renditepotential haben und falls du solche hast (z.B. auf deiner Watchlist oder in deinem Depot), ob es Gründe gibt diese nicht gegen Hornbach einzutauschen (z.B. Diversifikation).

        Natürlich ist, dass eine theoretische Betrachtung und es garantiert dir niemand, ob der Markt deine Analysen (wir nehmen mal an, dass sie richtig sind), auch in Form von Kursanpassungen bestätigt – das ist ja das Dilemma, welches Value-Investoren immer haben.

        Schätzende Grüße
        Malte

        • Hallo Malte,

          (bei der Anrede kannst du frei nach deinem Gusto entscheiden 🙂

          Der von mir errechnete innere Wert von 58 Euro beinhaltet ja gewisse Sicherheitsmargen:

          – das sind 40% auf 80 Euro je Aktie Buchwert
          – bei den zukünftigen Gewinnen der nächsten 5 Jahre sind das mehr als 50% auf den Durchschnittsgewinn der letzten 7 Jahre (2 Euro pro Jahr)

          Wenn ich also meinen Pessimismus/mein Sicherheitsbedürfnis aufgrund der bewiesenen Ertragspower von Hornbach etwas zurückschraube, sagen wir um 10% beim Buchwert und um 10% beim Gewinn, dann erhalte ich einen neuen inneren Wert von 56 Euro (Buchwert) plus 14,60 Euro (5×2,92 Euro Gewinn je Aktie und Jahr), insgesamt also knapp 70 Euro und habe damit noch Aktienkurspotential “generiert”, sollte also nicht verkaufen.

          Ebenso könnte ich bei Alternativinvestments verfahren und befinde mich damit dann wieder am Ausgangspunkt meiner Betrachtung.

          Wir müssen uns wohl oder übel darauf einigen, dass sich jeder seine Renditen, inneren Werte etc. subjektiv so zusammen rechnen könnte, dass sie als Grundlage für seine Entscheidung genügt. Erst im langfristigen Nachgang kann man vielleicht erkennen, ob das, was man sich da ausgerechnet hat, eine gute Begründung war. Oder?

          Viele Grüße

          V. Bouvier

  2. Eine sehr interessante Frage. Persönlich denke ich, dass ein Valueinvestor auch kurzfristige Gewinne einstreichen kann, insbesondere dann, wenn es sich um zyklische Unternehmen handelt und die hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass der gegenwärtige Konjunkturzyklus sich dem Ende nähert. Allerdings würde ich gemäß dem Spruch „The trend is your friend.“ den Gewinn noch etwas laufen lassen, außer du hast schon ein neues Investment im Auge.

    • Hallo Daniel,

      vielen Dank für deinen Beitrag zum Diskurs!

      Der Konjunkturzyklus ist eben auch ein weiterer Punkt, den ich bei Hornbach etwas kritisch sehe. Ich glaube, denn wissen kann ich es ja eigentlich nicht, dass wir vor einer “Konjunkturdelle” stehen und die wirtschaftlichen Aussichten der Unternehmen, besonders wenn sie hauptsächlich in Europa/Deutschland aktiv sind, momentan eher negativ scheinen.

      Um den Trend “einzufangen” gibt es ja zum Beispiel die Chartanalyse, auf die ich persönlich aber keine verlässliche Entscheidung aufbauen möchte. Es gibt zum Beispiel auch den Spruch “Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen”. Nun ja.. Aber wie weit? Wenn ich mich nur auf mein Bauchgefühl verlasse, dann beherrscht mich beim nächsten “Börsenwackler” vielleicht nur die Angst und ich verkaufe überhastet oder zu spät. Eine Möglichkeit wäre, jetzt ein Stop-Loss-Limit zu setzen, um mir die 35% Reingewinn abzusichern und alles darüber eben nach Gefühl laufen zu lassen. Oder?

      Viele Grüße

      V. Bouvier

      • Die Chartanalyse als alleiniger Entscheidungsfaktor ist für mich auch nicht sinnvoll. Ich habe leider auch noch nicht das passende Verkaufsrezept gefunden. Oft verkaufe ich leider viel zu früh. „Entgangene Gewinne schmerzen mehr, als Verluste.“ Einige schwören auf den StopLoss, was mir als fixe Entscheidungshilfe auch nicht ganz gefällt, da man in volatilen Zeiten schnell ausgestopt werden kann. So hat z.B. mein Corporate Finance Prof. kürzlich von seinem Ryanair Abenteuer erzählt…er hatte die Firma ausführlich studiert und vor ein paar Monaten 100k investiert. Kurs damals ca 10€. Seine Regel stop loss 10%. Er wurde innerhalb kürzester Zeit ausgestopt. Kurs heute: fast 15€. Autsch.
        Die Kombination Gewinne laufen lassen und mit Stoploss absichern, scheint aber theoretisch eines der besseren Möglichkeiten, um Emotionen auszuschalten. (wenn auch manchmal schmerzhaft). Ich versuche mich mehr dieser Strategie anzunehmen und mir „virtuelle“ Stoploss zu setzen.

        • Hallo Daniel,

          meinst du mit “virtuelle” StopLosses ein StopLoss im Kopf, nach dem du dann “manuell” handelst, sobald es gerissen wurde?

          Wenn ja, dann ist die Emotion doch aber wieder im Spiel und der Gedanke “Was wäre wenn?”.

          Viele Grüße

          V. Bouvier

          • Hallo Vincent,

            da hast du schon recht. Allerdings haben diese den Vorteil, dass man nicht an einen volatilen Tag einfach ausgestopt wird. (Wie bei Markus unten) Insofern der Kurs sich am nächsten Tag wieder erholt und den nächsten Aufwärtgang antritt. Zudem gibt es im Investmentbanking Händler die damit Geld verdienen, dass StopLoss Orders ausgelöst werden.

            Die virtuelle Stop Grenze kann genutzt werden, um sein Investment erneut kritisch auf den Prüfstand zu stellen. Wahrscheinlich ist in deinem Hornbach Fall, eine feste Stoploss-order vernünftiger, da du bereits bereit bist zu verkaufen und dein ermittelter Wert überschritten wurde. Der realisierte Gewinn ist der wahre Gewinn. Vielleicht eine Mischung 50% fixe StopLoss mit Teilverkauf und den Rest manuell nach erneuter Prüfung entscheiden.

            Wie du siehst, es ist ein sehr interessantes Thema. Es wäre halt schade, wenn ein erneuter Aktienmarktaufschwung zur Übertreibung führt und dieser auch deine Hornbach erfasst. Diese zu neuen Höhen aufsteigen und du durch einen fixen StopLoss an einem volatilen Tag rausgedrängt wirst und anschließend alles nur an der Seitenlinie mitanschaust.

            Weihnachtliche Grüße,
            Daniel

  3. Hallo Vincent, das ist eine der schwersten Fragen. Ich selbst bin in der Hornbach Baumarkt Aktie (nicht Holding) investiert und habe 50 % meiner Anteile verkauft (ebenfalls 1x Dividende, 0,68 Cent je Aktie). Der Rest bleibt im “Value” Bereich, da ich der Aktie noch 4-5 Euro Potenzial zutraue bevor ich auch da wieder Anteile reduziere. Das ist zwar von den Kosten nicht optimal – aber ich bin flexibler. Außerdem wollte ich den Klumpen auf einer Aktie etwas reduzieren (ich nutzte die zwischenzeitliche offensichtliche Unterbewertung – und kenne auch die Zahlen etwas besser…). Als Value Investor mit Blick auf die Rendite würde ich bis Juli 2020 warten. Ich denke der Trend wird bis Mitte nächsten Jahres anhalten. Der Vorstand sprach von Kostenvorteilen die erst im nächsten Jahr voll durchschlagen. Tipp: noch etwas wachsen lassen 😉 außerdem hat Hornbach schon früher in einer schwachen Konjunktur gute Zahlen hingelegt – die Menschen leisten sich weniger Handwerker und machen dann mehr selbst.

    • Hallo Mick,

      vielen Dank für deinen Beitrag zum Diskurs!

      Es ist interessant: in meinem “echten” Depot habe ich auch schon des Öftern so gehandelt, dass ich eben nur einen Teil verkauft habe und den anderen Teil habe laufen lassen. Die erhöhten Kosten durch zusätzliche Transaktionen sind für mich eben der Preis, den ich für die Unsicherheit zahlen muss.

      In Bezug auf Hornbach muss ich sagen, dass ich es schon beeindruckend fand, wie das Unternehmen inmitten der ganzen Panikmache (“Amazon übernimmt alles und besiegt den stationären Handel”, “der Wettbewerb unter den Baumärkten ist so stark und drückt natürlich auf alle Margen/Gewinne”, etc.) geschafft hat, solche ein beeindruckende Profitabilitätssteigerung hinzulegen. Das ist mit Sicherheit ein Pluspunkt für Hornbach!

      Notiz an mich selbst: ich sollte mal einen “History”-Artikel zu Hornbach machen, um zu sehen, wie sich vergangene Konjunkturdellen auf die Baumarktkette bzw. seine Gewinne ausgewirkt haben.

      Viele Grüße

      V. Bouvier

  4. Ich versuche seit geraumer Zeit, die Aussge Gewinn laufen lassen und bei Verlust verkaufen aktiv umzusetzen. Mein Broker bietet mir hier an, “Stop-Loss” Orders zu platzieren.
    Bei Hornbach könnte man ja den inneren Wert nehmen oder den inneren Wert plus x% erwartete rendite (solange der aktuelle Kurs darüber ist).
    Sollte es eines Tages der Kurs unter diesen Wert fallen, wird die Verkaufsorder aktiviert und ausgeführt.

    Ich habe mich mit der Methode schon einige Male geärgert, weils am Tag darauf wieder hoch ging, denke aber dass dies vermutlich ein risikoarmer Ansatz ist, so lange keine interessanteren Wertpapiere in Sicht sind.

    • Hallo Markus,

      vielen Dank für deinen Beitrag zum Diskurs!

      Über die Stop-Loss-Orders habe ich auch schon nachgedacht und mir folgendes überlegt:

      1) Wenn der Aktienkurs über dem von mir errechneten inneren Wert der Aktie liegt, dann sollte ich verkaufen und froh sein, dass alles so eingetroffen ist, wie errechnet.
      2) Sobald ich nicht verkaufe, spekuliere ich, dass ich noch ein paar Prozente mehr von Mr. Market abgreifen könnte. (“The Trend is your friend.” Yes/No)
      3) Sobald ich spekuliere, kann ich mich aber nicht mehr auf den Value-Ansatz berufen, weil es ja eigentlich keine analysierte/berechnete Grundlage für meine (Spekulations-)Erwartung mehr gibt.
      4) Wenn es keine Grundlage für meine Erwartung gibt, dann sind StopLossOrders ein probates Mittel, mich gegen die negativen Ausbrüche Mr. Markets abzusichern.
      5) Sollte Mr. Market meine StopLossOrder dann triggern, wenn auch nur minimal, ich verkaufe also quasi automatisiert, und der Kurs erholt sich danach wieder, dann ist das genau das, was Mr. Market auszeichnet und uns zu seiner “Bitch” macht (sagt man das so?), sobald wir anfangen zu spekulieren.

      Die Versuchung ist groß, sich bei positiver Marktstimmung von seiner berechneten Entscheidungsgrundlage zu entfernen. Ich kenne das nur allzu gut. Manchmal geht das gut, manchmal aber auch nicht.

      Viele Grüße

      V. Bouvier

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