Von der weihnachtlichen Völlerei sowie der durch die Jahreswechselfeiern verursachte Katerstimmung noch nicht ganz erhölt erholt, feiere ich nun das 1-jährige Bestehen dieses Blogs! Wohooo!! Wieder ein Grund für Alkohol! Allen Lesern und auch mir wünsche ich nun also ein gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr

Nur den Lesern und mir selbst wünsche ich das? Das finde ich, bei genauerer Betrachtung, aber doch viel zu eng gedacht. Eigentlich wünsche ich allen Menschen, auf allen Kontinenten unserer Erde das Glück, gesund und in Frieden ein selbstbestimmtes sowie sicheres Leben führen zu können. Ja, das Weihnachtsfest/der Jahreswechsel regen mich alle Jahre wieder zum besinnen an…

Ohne nun also tiefer ins Detail zu gehen und damit die Neujahrsstimmung zu versauen, will ich hier nur ein paar Buzzwords zum besten geben, die mich daran erinnern sollen, dass ich außerordentlich vom Glück “vergewaltigt” worden sein muss, weil ich eben auf der “guten Seite” der Welt geboren wurde, während es unzählige Themen gibt, die dafür sorgen, dass es vielen Menschen ungleich schlechter geht als mir: Guantanamo, Yemen, Syrien, Chile, Australien, Gaza, Mittelmeerflüchtlinge, Geld-/Finanzkrisen, Lobbyismus und so fort.

Wenn also Themen wie Krieg, Klimawandel und Kapitalismus so omnipräsent sind, ihre Relevanz für die Menschheit und ihre nahe Zukunft so greifbar, dann fällt es mir oft schwer, irgendwelche positiven Dinge anzuerkennen. Also unterlasse ich diesen kläglichen Versuch optimistisch zu sein gleich gänzlich und fokussiere vollständig auf das Negative!

Wenn ich in 30 oder 40 Jahren von einem Vertreter der nachfolgenden Generationen gefragt werde, ob ich mir der obigen genannten Realitäten heute bewusst war, dann muss ich das klar mit “Jupp” beantworten. Bin ich mir auch heute schon der Folgen bewusst? Jupp. Und die nächste logische Frage ist doch dann, warum ich nichts dagegen unternommen habe, oder? Was soll ich dann sagen?


Vor meinem eigenen, inneren Richter argumentiere ich dann immer so:

Ich kann natürlich den Märtyrer geben, auf die Straße gehen, revolutionär tätig werden, in den Krieg ziehen, Protestieren, Anprangern, mich und mein Leben vollends gegen die so schreienden Ungerechtigkeiten werfen, um damit meinen Unmut über die aktuellen Realitäten zum Ausdruck zu bringen, meinen Widerwillen, meine Abscheu; gleichzeitig könnte ich damit meinen utopischen Träume von einer besseren Welt auf Basis eines friedlichen Humanismus, der allen Menschen dient, verbreiten.

Die erste Frage, die sich mir dann immer stellt, ist: Habe ich eigentlich eine Pflicht, mein Leben wie oben beschrieben zu verwenden? Muss ich das? Habe ich eine moralische, natürliche Pflicht dies für meine Mitmenschen zu tun? Müssten das nicht alle Menschen gemeinsam tun? Und wenn es alle täten, dann würde sich doch auch was ändern, oder? (Hier habe ich noch keine Antworten gefunden. Vielleicht habe ich aber auch nur Angst vor der Antwort.)

Die zweite Frage ist einfacher, weil beantwortbarer: Womit, also mit welchem Verhalten, welchen Aktionen habe ich die meisten Aussichten auf Erfolg? Was ist am effizientesten?

In meinem Plädoyer vor meinem inneren Richter verweise ich für die zweite Frage dann immer auf mein persönliches Engagement in meiner Gemeinde. Darüber hinaus argumentiere ich, dass meine humanistischen Ziele eine gewisse finanzielle Freiheit erfordern, die ich unter den gegebenen Umständen aber auch erstmal erreichen muss, bevor ich ihnen mit vollem Engagement hinterher jagen kann.


An dieser Stelle wird die Verhandlung dann immer ohne Ergebnis vertagt. Somit will ich mich also bist zum nächsten Verhandlungstag – und bevor mir jemand mit einer Antwort auf die erste Frage unverhofft um die Ecke kommt – weiter sputen, um mit Hilfe des Value-Investings Weltherrschaft finanzielle Freiheit zu erlangen (Stufe 1). Dann kaufe ich mir so viel medialen und politischen Einfluss, dass ich meine eigenen Vorstellungen von Recht und Unrecht in die Menschen der Welt injizieren kann (Stufe 2). Der letzte Schritt ist natürlich die Veränderung der Welt auf globaler Ebene gemäß meiner Ideale, was im Ergebnis das Glück, den Frieden und die soziale Sicherheit eines jeden Einzelnen bedeutet (Stufe 3). Fertig.

Auf geht’s also!