Bouvier investiert!

Value & Price

Seitenblicke #1

Inzwischen haben mir mehrere Leser Unternehmen genannt, zu denen ich doch bei Gelegenheit einmal meinen Value-Senf abgeben soll. Diesen Anfragen möchte ich mit der Rubrik “Seitenblicke” nun auch Genüge tun. Die ersten Aktien, die ich mir unter diesem Motto einmal ansehen möchte, sind die der Limes Schlossklinken AG, die des japanischen Unternehmens ITOCHU Corporation und die des Schweizer Industriebäckers Aryzta AG.

Sollte sich ein Unternehmen finden, das ich mir genauer ansehen möchte, dann werde ich das auch in einem dedizierten Beitrag tun. Bis dahin soll aber erstmal ein schneller “Value-Seitenblick” genügen.

Los geht’s!

Limes Schlosskliniken AG

Weil ein gewisser Dr. Gert Michael Frank am 22.07.2019 für ungefähr eine Mio. Euro Aktien dieser Gesellschaft gekauft hat – einer Gesellschaft, der er selbst als Geschäftsführer vorsteht, einer Gesellschaft, die im freiwilligen (!) Konzernabschluss 2018 bei einem Umsatz von circa 7,4 Mio. Euro einen Fehlbertrag von gerundeten 1,5 Mio. ausweist – wurde ich von einem Leser auf dieses Unternehmen aufmerksam gemacht.

Das Unternehmen besteht aus 3 Tochtergesellschaften und der Muttergesellschaft in Köln. Jede Tochtergesellschaft repräsentiert eine eigene “hochwertige Privatklink für Psychatrie, Psychotherapie und Psychosomatik”. Privatklinik heißt, dass das exklusive Leistungsangebot auf “Privatpatienten, Selbstzahler und Beihilfeberechtige” ausgerichtet ist. Eine der drei Tochtergesellschaften – eine Klinik in der Mecklenburger Schweiz – ist bereits seit 2016 in Betrieb und wirtschaftet. Die beiden anderen Tochtergesellschaften in Bad Brückenau und Heiligenhoven befinden sich derzeit noch im Auf- oder Umbau. Alle Immobilien der AG sind langfristig angemietet.

Die mir zur Verfügung stehende Datenlage zu diesem Unternehmen erlaubt mir nicht viel Einblick. Da ich aber weiß, dass die AG erst eine operierende Tochtergesellschaft hat, erst seit 2016 am Markt ist und daher kein langfristiges Urteil möglich ist und sie darüber hinaus noch Verluste ausweist, sehe ich diese Aktie nicht als Value-Investment. Die von Dr. Frank getätigte Aktieninvestition steht aus meiner Sicht im Zusammenhang mit der jüngsten Kapitalerhöhung, die ebenfalls auf gewisse finanzielle Engpässe Notwendigkeiten hindeutet.

ITOCHU Corporation

Ein Unternehmen, von dem ich wirklich noch nie etwas gehört hatte, obwohl es 2018 weltweit rund fast 52.000 Mio. US-Dollar an Umsatzerlösen und einen Gewinn von 3.600 Mio. US-Dollar erzielt hat, ist die ITOCHU Corporation aus Japan. Im 2018er Jahresbericht finden sich auch der Gewinn je Aktie (2,43$), die Dividende (0,66$) sowie das “Shareholder Equity” je Aktie (16,21$). Der Aktienkurs beträgt heute in Frankfurt knapp 17 Euro, ein Euro kostet heute knapp 1,11 US-Dollar und somit beträgt das Equity pro Aktie in Euro ausgewiesen rund 14,54 Euro. Puh!

Das Geschäft dieses Handelsriesen ist in die Segmente “Textile, Machinery, Metals & Minerals, Energy & Chemicals, Food, General Products & Realty” und natürlich auch noch “Financial Business” aufgeteilt. Der Löwenanteil des Umsatzes (67,5%) wird in Japan erwirtschaftet, wo auch über 50% der langfristigen Vermögenswerte ansässig sind. Etwa 25% des Umsatzes fließt aus den USA und die restlichen 25% dann aus dem Rest der Welt (hauptsächlich aber Singapur, Australien und Großbritannien) in die japanischen Kassen. Die Eigenkapitalquote beträgt rund 35%.

Der Gewinn sowie Cash-Flow des Konzern war in den letzten Jahren durchgehend positiv und es sicherlich nicht verwegen anzunehmen, dass das auch in Zukunft weiter so geht. Die japanische Wirtschaft wird ja schon seit Jahrzehnten vom deflationären Gespenst verfolgt, aber das scheint diesem Goliath nichts anhaben zu können. Wen also die ständige Abhängigkeit von Yen-Dollar-Euro-Kursen, die Umrechnungsarien und auch die undurchsichtige Fülle der Handelsaktivitäten dieses fernöstlichen Unternehmens nicht abschreckt, der findet heute einen fairen Preis für die Aktie der ITOCHU Corporation, denke ich.

Aryzta AG

Viel näher dran als IOTCHU, aber trotzdem auch in fremder Währung gehandelt, liegt die Aryzta AG aus der Schweiz. Böse Zungen könnten behaupten, dieses Unternehmen steht dafür, dass das kleine, lokale Bäckerhandwerk einfach nicht mehr mit der Angebotspalette sowie dem enormen Kostenvorteil der großen, industriellen, standardisierten und innovativen Backfabriken mithalten kann. Aryzta kann weltweit, was Backwaren betrifft, einfach jede Nachfrage bedienen, richtet sich damit hauptsächlich an Geschäftskunden (Business-2-Business; Hotels, Restaurants) und betreibt auch noch Forschung & Entwicklung, um zukünftige Trends frühzeitig zu erkennen.

Das Geschäft der AG ist in 3 Segmente aufgeteilt: Europa (Umsatzanteil: 50%), Nordamerika (43%) und den Rest der Welt (7%). Während das EBITDA (operativer Gewinn) für 2018 in allen Segmenten positiv war, ist der Jahresüberschuss in 2017 und 2018, so wie auch schon in 2015, negativ ausgefallen. Die Gründe dafür liegen lt. Vorstandsvorsitzendem Gary McCann in der hohen Schuldenlast sowie in der “expansion beyond its core strengths” des Unternehmens. Ausdruck des Letzteren findet sich bei den langfristigen Vermögenswerten (insgesamt 3.800 Mio. Euro), von denen etwa 52% auf “Goodwill und immaterielle Vermögenswerte” fallen, während die eigentlich produzierenden Assets nur mit knapp 32% zu Buche schlagen. Das Unternehmen scheint in der Vergangenheit wirklich sehr stark akquiriert zu haben, ohne dass sich das im gleichen Atemzug positiv auf die Ertragslage auswirkte. Die Eigenkapitalquote liegt bei 35%.

Für den inneren Wert der Aryzta-Aktie schaue ich zum Einen auf den bilanziellen Buchwert und die zukünftig erwartbaren Gewinne. Der Buchwert, auf Basis der nach der Kapitalerhöhung neuen Anzahl Aktien (lt. Präsentation, Slide 6; rund 658 Mio. Stück), beträgt rund 3,69 Euro je Aktie. Der Durchschnittsgewinn der letzten 7 Jahre ist mit 2,77 Schweizer Franken negativ, womit ich auch von einem negativen Durchschnittsgewinn in Euro ausgehe. Das Unternehmen befindet sich offensichtlich mitten in einer Umbruchsphase und hat dabei einen hohen Kapitalbedarf. Als Value-Investor würde ich hier nicht einsteigen, für einen Spekulanten mag der aktuelle Kurs von 0,75 Euro aber eine interessante Möglichkeit bieten.

3 Kommentare

  1. Hallo Vincent,

    diese neue Rubrik finde ich toll und würde gleich mal Vorschläge für #2 einreichen 😉

    In die Wunschbox kommen von mir 3 sehr unterschiedliche Unternehmen:
    – STORA ENSO (FI0009005961)
    – TUI (DE000TUAG000)
    – Erlebnis Akademie (DE0001644565)

    Freue mich auf die Schnell- und ggf. Detail-Analyse

    P.S. schön, dass die Sommerpause vorbei ist 😉

    Beste Grüße
    – Christoph –

  2. Hallo Herr Bouvier,

    erstmal möchte ich mich bedanken für Ihre fundierten Beiträge hier und die Mühe, die Sie sich hiermit machen.

    Evenutell könnten Sie sich mal die Jost Werke, Einhell AG und wenn Zeit ist auch die Porsche Aktien anschauen, ich denke hier besteht ein günstiges CRV?

    Danke vorab!

  3. Vielen Dank für die Anfragen! Ich notiere sie und sehe, ob ich Gelegenheit für Beträge dazu finde.

    Viele Grüße

    V. Bouvier

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.