Eine schnelle Definition zum Cost-Average-Effekt (“Durchschnittskosteneffekt”) liefert wie immer Wikipedia. Ich möchte hier jedoch eine etwas praktischere Herangehensweise schildern, die mir bei meinen Investitionsentscheidung bisher immer sehr geholfen hat.

Ganz einfach gesprochen ist dieser Effekt erkennbar, wenn man eine Aktie der “Toll AG” am ersten Tag zum einem Preis X kauft und dann eine weitere Aktie am zweiten Tag zum Preis X-10. Der Durchschnittspreis (“Einstandskurs/Einstandspreis”) BEIDER Aktien zusammen beträgt dann also X Euro + (X-10 Euro) dividiert durch 2 Aktien.


Ausgangssituation: X=20 Euro; X-10=10 Euro; X-15=5 Euro; X+10=30

Damit ergibt sich ein neuer Einstandspreis für die Aktien, die zu X und X-10 gekauft wurden, von

(1*20 Euro +1*10 Euro) / 2 Aktien =15 Euro/Aktie.

1. Beispiel: Die Aktie fällt noch weiter und ich kaufe eine weitere Aktie, aber diesmal für X-15.

Damit ergibt sich für ALLE DREI Aktien ein durchschnittlicher Einstandspreis von

(1*20 Euro + 1*10 Euro + 1*5 Euro) / 3 Aktien =11,67 Euro/Aktie.

Mit dem alten Durchschnittspreis gerechnet ergibt sich ebenfalls ein Einstandspreis von

(2*15 Euro + 1*5 Euro ) / 3 Aktien =11,67 Euro/Aktie.

2. Beispiel: Ich kaufe gleich 10 Aktien zum Preis von X und danach dann noch 5 Aktien zum Preis von X-10.

Damit ergibt sich ein durchschnittlicher Einstandspreis von

(10*20 Euro) + (5*10 Euro) / 15 Aktien = 16,67 Euro/Aktie.

… und so fort. Wichtig ist eben immer, dass man alle Aktien mit ihrem Anschaffungspreis gewichtet und dann ins Verhältnis zu den bereits gehaltenen Aktien und deren durchschnittlichen Anschaffungspreis setzt. Idealerweise bezieht man in diese Rechnung auch noch die Trading-Kosten ein, die mit jedem neuen Kauf entstehen, damit wirklich alle Kosten sich mit der Zeit im durchschnittlichen Anschaffungspreis aller Aktien widerspiegeln.

Die Kosten/Aktie wären einfach eine weiterer Summand bei der Ermittlung des Aktien-Kaufpreises pro Transaktion.

3. Beispiel: Ich kaufe 5 Aktien zum Preis von X, 10 Aktien zum Preis von X-10 und habe pro Trade-Transaktion Kosten in Höhe von 10 Euro. Für den ersten Kauf ergibt das pro Aktie ein Kostenelement von (10 Euro/5 Aktien)=2 Euro/Aktie und für den zweiten Kauf von (10 Euro/10 Aktien)=1 Euro/Aktie. Beim ersten Kauf kostete mich eine Aktie also X+2 Euro (22), beim zweiten Kauf X-10+1 Euro (11).

Damit ergibt sich der durchschnittliche Einstandspreis von

(5*22 Euro) + (10*11 Euro) / 15 Aktien = 9,13 Euro/Aktie.

Alle obigen Beispiele sind von fallenden Kursen ausgegangen. Bei steigenden Kursen, die sich nach dem Kauf der ersten Aktienposition ergeben, wirkt der Cost-Average-Effekt natürlich entgegengesetzt auf den durchschnittlichen Einkaufspreis pro Aktie.

4. Beispiel: Meine ersten 10 Aktien erstehe ich für den Preis X, weitere 15 Aktien kaufe ich aber für den Preis X+10. Die Kosten pro Transaktion sind weiter 10 Euro fix. Die ersten Aktien haben mich also pro Aktie 1 Euro gekostet, die zweiten dafür nur 0,67 Euro/Aktie.

Damit ergibt sich ein neuer durchschnittlicher Einkaufspreis pro Aktie von

(10*21 Euro) + (15*30,67 Euro) / 25 Aktien = 26,80 Euro/Aktie

Die ersten Aktien habe ich inkl. Kosten noch für 21 Euro das Stück bekommen, durch den Kauf der zweiten Aktien dazu erhöht sich dieser Preis allerdings auf 26,80 Euro/Aktie.


Meine Meinung dazu

Der Cost-Average-Effekt ist eine tolle Sache für den Value-Investor! Ich habe durch ihn die Gelegenheit, meine Sicherheitsmarge bei fallenden Kursen zu vergrößern, indem ich, natürlich nach sorgfältiger Prüfung des inneren Wertes eines Wertpapiers, peu-á-peu die Position aufstocke. Mein Einstandskurs ( sinkt mit jedem zusätzlichen Kauf weiter ab und ich nähere mich dem aktuellen Markpreis des Wertpapiers (siehe auch “Break-Even-Punkt/Gewinnschwelle“).

Es ist hingegen keine gute Idee bzw. ist mir in der Praxis noch kein Szenario untergekommen, bei dem ich den den Cost-Average-Effekt dafür benutzt habe, den durchschnittlichen Einkaufspreis zu erhöhen. Dafür müsste die Sicherheitsmarge schon so groß sein, dass ich gewillt bin, etwas davon “herzugeben”. Und gegen eine hohe Sicherheitsmarge habe ich ja eigentlich nichts.

Kleiner Exkurs: Aktiensparpläne

Bei Aktiensparplänen wird jeden Monat für eine fixen Betrag eine gewisse Anzahl Aktien gekauft. Wenn der Preis der Aktie höher ist, dann sind es eben weniger Aktien, die man für den festen monatlichen Betrag bekommt, wenn der Preis niedriger ist, dann ist es eben eine höhere Stückzahl.

Für den “faulen” Sparer scheint das eine gute Sache zu sein, allerdings würde ich den monatlichen Betrag lieber ansparen, um dann, wenn der Kurs so niedrig ist, dass ich einen wirklich günstigen Effekt auf meinen Einstandskurs habe, mit dem gesamten Sparbetrag die Keule des Cost-Average-Effekts zu schwingen.

Ein weiteres Problem bei Aktiensparplänen ist nämlich die Tatsache, dass, wenn ich das über mehrere Monate und Jahre gemacht habe, der Cost-Average-Effekt für alle zukünftigen monatlichen Käufe abnimmt, da der fixe monatliche Kaufbetrag im Vergleich zu den bereits getätigten Käufen nur noch marginal ist. Der durchschnittliche Einkaufspreis “verhärtet”, metaphorisch gesehen, mit der Zeit. Hinzu kommt, dass die hohe Anzahl an Käufen/Transaktionen, ebenfalls einen negativen Effekt auf den Einstandskurs haben, weil die Kosten ja pro Kauf anfallen, und ihn somit noch schneller “verhärten” lassen!