Bouvier investiert!

Value & Price

Watchlist (04/19) – Start

Nachdem ich nun begonnen habe, in meinem Musterdepot fiktiv, aber für jeden Leser nachvollziehbar die Werte zu kaufen, die ich für unterbewertet halte, kam mir ein weiterer Gedanke. Was ist mit den Aktien, die ich gern hätte, die aber momentan schlicht zu teuer sind? Werte, die mir zwar Qualität, aber keine Sicherheitsmarge bieten? Die Idee der Watchlist war geboren.

In diesem Zusammenhang kam mir dann die Aussage von Jim Rogers in der Sinn der gesagt: “Don’t invest in the heat of the moment“. Rogers setzt in seinem Investmentprozess regelmäßig Limit-Orders ein, um die Automatik dieses Werkzeuges, das er in einem ruhigen Moment wohlbedacht konfiguriert hat, zu nutzen. Er weiß, dass er, so wie eigentlich jeder, den Markt nicht timen können wird und löst das Problem über die Limits.

In diesem Beitrag möchte ich heute alle Werte auflisten, die ich nach meiner Analyse gern besäße und dazu auch noch ausführen, zu welchem Preis ich bereit wäre, sie zu kaufen. Es lebe die Watchlist!

Aktienauswahl

Für die faulen Leser biete ich hier wieder die Abkürzung an, zum Ende des Beitrags zu scrollen, um die fertige Watchlist zu sehen. Den Interessierteren möchte ich im folgenden das Zustandekommen der Werte in der Tabelle ausführlich erläutern. Die gelisteten Unternehmen haben aus meiner Sicht ein funktionierendes Geschäftsmodell und weiterhin zukunftsträchtige Produkte. Für mehr Details pro Unternehmen möchte ich auf die verlinkten Beiträge dieses Blogs verweisen.

  1. Mineralbrunnen AG (Stämme): Aufgrund seiner vergleichsweise geringen Größe und den Turbulenzen, die es vor 2013 zu bestehen hatte, ist mir hier eine hohe Sicherheitsmarge wichtig (30%). Der innere Wert der Aktie liegt laut mir bei 10,23 Euro (Stammaktie), was den Zielkurs für meinen Einstieg bei 7,87 Euro definiert.
  2. Henkel KGaA (Stämme): Henkel ist groß, hat tolle Produkte, bewiesene Ertragskraft und eine lange Geschichte. Hier genügt mir eine Sicherheitsmarge von 10%. Mein innerer Wert liegt bei 66,30 Euro und das ergibt einen Zielkurs für meinen Einstieg von 60,27 Euro.
  3. Fielmann AG: Dieses Unternehmen ist wirklich sehr beeindruckend. Ertragsstark, schuldenfrei und in Familienhand. Hier genügt mir ebenfalls eine Sicherheitsmarge von mindestens 10 %. Der innere Wert der Aktie liegt meines Erachtens bei 30 Euro und somit stiege ich erst bei 27,27 Euro.
  4. Wacker Neuson SE: Innovativ, ertragsstark, weltweit tätig und jüngst wieder mit einem Rekordjahr. Trotzdem muss der vorsichtige Investor immer auf Sicherheit bedacht sein und beim zyklischen Geschäft dieses Unternehmens benötige ich wenigstens 20%. Aus dem inneren Wert der Aktie in Höhe von 21,30 Euro errechnet sich hier ein Zielkurs für den Einstieg von 17,75 Euro.
  5. Paul Hartmann AG: Ein Unternehmen der MedTech-Branche mit einer soliden Ertragskraft und Größe. Hier genügen mir ebenfalls 10% Sicherheitsmarge. Der innere Wert der Aktie beträgt 310 Euro, mein Einstiegskurs läge also bei 281,82 Euro.
  6. GBK Beteiligungen: Dies ist eine Beteiligungsgesellschaft für den deutschen Mittelstand, die vereinfacht gesagt, nichts anderes tut, als Beteiligungen an Mittelständlern einzugehen, zu halten und zu verkaufen, deren Aktien am freien Börsenmarkt nicht handelbar sind (Berkshire Hathaway für den deutschen Mittelstand, wenn man so will). Hier verlange ich eine Sicherheitsmarge von 20% und bei einem inneren Wert von 10,13 Euro je Aktie macht das einen Einstiegskurs von 8,44 Euro.

Und hier die tabellarsiche Übersicht des Gesagten:

Watchlist April 2019

Resümee

Die Technik, mein Depot mir irgendwelchen Limit-Orders zu übersähen, fände ich mühselig und mit der Zeit unübersichtlich. Ich vertraue mir darüber hinaus so weit, dass ich mich grob an meine Watchlist halten werde. Ob es nun genau 30% sind oder 28,7% kann ich nicht versprechen, aber den Kern meiner Berechnungen werde ich beachten. Soweit kenne ich mich aus der Vergangenheit

Mir hilft diese kleine Übersicht sehr dabei, auf einen Blick zu erkennen, wann ein Qualitätsunternehmen günstig zu erstehen ist. Natürlich muss ich als Value-Investor regelmäßig prüfen, ob die inneren Werte der Aktien noch zutreffen. Dies ist ein Aufwand, den ich nun nicht mehr nur für mein Musterdepot-Aktien, sondern auch für die Watchlist-Aktien betreiben muss.

Aber wie hat ein Kollege mal zu mir gesagt: “Wer sein Hobby zum Beruf macht muss danach nie wieder arbeiten gehen!” Na dann…

4 Kommentare

  1. Warum Mineralbrunnen Stämme und nicht die Vorzugsaktien, die ja wesentlich günstiger sind und dazu noch eine höhere Dividende haben ?
    Ansonsten verfolge ich die fundierten Beiträge mit großem Interesse.

    • Vincent Bouvier

      5. April 2019 at 22:38

      Hallo Herr Dr. Wörner,

      vielen Dank für den Hinweis darauf, dass ich das nicht begründet habe. Ich muss zugeben, dass ich Stammaktien den Vorzugsaktien durch das Stimmrecht immer vorziehe. Wenn es hart auf hart kommt bilde ich mir ein, dass ich mit meinem Stimmrecht auf der Hauptversammlung mehr ausrichte, als ohne. Ich fühle mich quasi ein wenig sicherer, als ohne das Stimmrecht. Das ist ein sehr subjektives Gefühl, das gebe ich zu. Mit Zahlen kann ich das nicht begründen.

      Tatsächlich haben Sie aber natürlich recht: Bei der MinAG ist es momentan so, dass die Vorzugsaktien durch den höheren Gewinnanteil, die höhere Dividende und den geringeren Aktienkurs rentabler sind.

      Viele Grüße und viel Spaß weiterhin beim Lesen! 🙂

      V. Bouvier

      • Sehr geehrter Herr Bouvier
        Vielen Dank für die schnelle Antwort.
        Ich nehme grundsätzlich beide Gattungen in meine Watchlist auf, wobei ich wegen dem geringen Gewinnvorab der Vorzüge gegenüber der Stämme nicht beim Einstiegspreis unterscheide und die geringfügige Ungenauigkeit bewusst in Kauf nehme. Für mich zählt bei der Auswahl welche Gattung ich kaufe nur die Dividendenrendite, deren Unterschied meist über die Kursdifferenz zu Stande kommt. Das Stimmrecht ist für mich kein Argument, da ich mit meiner geringen Beteiligung so wie so nichts bewirke. Da ich nur auf den Wertansatz achte, der ja bei beiden Gattungen nahezu gleich ist, und die Papiere längerfristig im Depot halte, spielt für mich auch die Indexzugehörigkeit bei der Gattungsauswahl keine Rolle. Die. Indexzugehörigkeit führt bei der Gattung die im Index enthalten ist zu größeren Schwankungsbreiten, da die Fonds die einen Index abbilden ihr Portfolio immer anpassen müssen.
        Nicht immer sind die Vorzüge die erste Wahl, siehe z.B. Henkel bei dem die Stämme günstiger als die Vorzüge sind.
        Für Vorzüge spricht auch, dass diese in Stämme umgewandelt werden können, was zu gegeben nur selten vorkommt, wenn aber dann über Nacht zu einem kräftigen Kursgewinn führt. Die Umwandlung von Stämmen in Vorzüge geht nur über die Ausgabe neuer Aktien. Die Differenz zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis vernachlässige ich ebenfalls bei meiner Auswahl, da ich die Papiere halten will.
        Ich habe aber noch eine zweite Frage zur Watchlist: Wie halten Sie es mit dem Dividendenabschlag ? Henkel wird ja ab Dienstag Dividende ex gehandelt und verbilligt sich um die Dividende ohne dass der Wert sich verändert. Kürzen Sie hier Ihren Einstiegspreis ? Wenn ja, wann erhöhen Sie ihn wieder ? Ich könnte mir hier quartalsweise Anpassungen vorstellen.
        Ich bin gespannt auf Ihre Antworten und wünsche ein sonniges Wochenende.

        • Vincent Bouvier

          7. April 2019 at 20:52

          Sehr geehrter Herr Dr. Wörner,

          das Wochenende war in der Tat sehr sonnig! 🙂

          Wenn ich die Stammaktien eines Unternehmens auf die Watchlist setze, dann beobachte ich damit implizit auch immer die Vorzugsaktien. Sollte mein Zielkurs für einen Einstieg nahe sein, dann entscheide ich operativ, ob ich Vorzugs- oder Stammaktien kaufe. Stand heute würde ich mich bei der MinAG für die Vorzugs-, bei der Henkel aber für die Stammaktien entscheiden. Ob eine Indexzugehörigkeit vorliegt, ist für mich nicht interessant. Wie Sie richtig erwähnt haben ist bei solchen Titeln die Fluktuation höher, als bei Nicht-Index-Titeln. (Die Finanzbranche nennt das “Liquidität des Wertpapiers”, glaube ich).

          Der Ex-Dividenden-Handelstag ist für mich kein Argument, meinen Einstiegskurs anzupassen. Grundsätzlich vermeide ich es meist, um solch kritische Tage herum zu handeln, weil ich glaube, bei der Orderaufgabe nicht stunden- oder tagesgenau einschätzen zu können, wann mir noch eine Dividende zustünde und wann nicht mehr. Das ist mir zu heikel und ich möchte eventuellen Fehler dabei aus dem Wege gehen.

          Es ist mir eigentlich gleich, ob ich eine Aktie vor (höher Kurs) oder nach der Dividendenauszahlung (niedriger Kurs) erstehe. Der innere Wert der Aktie inkl. Sicherheitsmarge steht für mich ja fest.

          Grüße

          V. Bouvier

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